Hamburg hat eine großartige Restaurantszene, und ich hatte mir im Vorfeld einige Adressen herausgesucht, die ich unbedingt ausprobieren wollte. Gleich nach meiner Ankunft setzte ich mich daher im Hotel hin, um ein paar Tische zu reservieren. Zu meiner großen Überraschung stellte sich das als ziemlich schwierig heraus. Keines der Restaurants auf meiner Liste hatte noch freie Plätze. Dann erinnerte ich mich an ein österreichisches Restaurant namens Bistrot Vienna, das keine Reservierungen annimmt, sondern nach dem Prinzip „first come, first served“ arbeitet. Meine Chance. Die wollte ich nicht verpassen.
Ich war schon um 18 Uhr dort und tatsächlich der erste Gast. Die Küche öffnete erst um 19 Uhr, also bestellte ich mir ein Glas Rotwein und wartete. Zwanzig Minuten später war das Restaurant voll, und Menschen standen an der Bar und in einer langen Schlange draußen.
Offenbar kannten sich viele Gäste untereinander und auch das Personal. Es wurde über die Tische hinweg geplaudert. Eine Frau hatte ihren Hund dabei, der allerdings zu groß war, um unter den kleinen Tisch zu passen. Die Gäste an einem größeren Tisch boten an, dass der Hund sich zu ihnen legen könne. Sowohl Hund als auch Besitzerin schienen damit völlig einverstanden.
Alle waren sehr freundlich und sprachen mich auf Deutsch an. Vielleicht hatten sie ein wenig Mitleid mit mir, weil ich allein essen war, und einige wirkten leicht irritiert, als ich anfing, mein Essen zu fotografieren.
Das Drei Gänge Menü klang nach einem sehr guten Angebot, aber das Wildschweinragout hatte es mir angetan, also bestellte ich à la carte. Ich studierte die handgeschriebene Karte sorgfältig, doch selbst wenn ich fließend Deutsch gesprochen hätte, hätte ich Mühe gehabt, sie zu entziffern. Und ich dachte immer, meine Handschrift sei schwer lesbar.
Als Vorspeise wählte ich Ferkelkopf Carpaccio. Es klang spannend, obwohl ich keine Ahnung hatte, was Ferkelkopf eigentlich ist. Es stellte sich als Kopf vom Spanferkel heraus. Zum Glück nicht roh, sondern eher wie eine dünn aufgeschnittene Terrine. Optisch nicht gerade ein Highlight, aber die Trüffelvinaigrette und der Sellerie passten gut dazu, und geschmacklich war es wirklich gelungen.
Das Wildschwein erinnerte an langsam geschmortes Rindfleisch mit einer kräftigeren, wildtypischen Note. So zart, dass ich es fast mit dem Löffel hätte essen können. Obenauf lag ein großer Tiroler Knödel. Knödel bestehen meist aus altbackenem Brot oder Kartoffeln mit Speck und Zwiebeln. Normalerweise bin ich kein großer Knödel Fan, aber zusammen mit dem Ragout war es hervorragend. Ich habe jeden Bissen genossen.
Auf Dessert verzichtete ich, ich war schlicht zu satt. Außerdem machte die wachsende Warteschlange draußen nicht gerade Lust, noch lange sitzen zu bleiben. Also bat ich um die Rechnung.
Das Essen im Vienna war ein sehr schönes Erlebnis. Trotz des Hypes fühlt es sich dank des Teams, der sehr lokalen Gäste und nicht zuletzt des Hundes immer noch wie ein echtes Vierteljuwel an. Wenn du in Hamburg ohne Reservierung unterwegs bist, geh ins Vienna. Aber komm früh oder bring Geduld mit.
Bistrot Vienna, Fettstraße 2, 20357 Hamburg