
Letzten Sonntag habe ich mir den Wecker auf eine Uhrzeit gestellt, die ich sonst eher mit Langstreckenflügen verbinde als mit Freizeit. Der Plan war simpel: früh raus und zum Fischmarkt, Hamburgs historischem Markt am Hafen. Es war nass und bitterkalt, so ein norddeutscher Morgen, der einem bis in die Knochen kriecht, und meine Erwartungen waren entsprechend niedrig. Wer steht freiwillig an einem Sonntag um 7 Uhr auf, um Fisch zu kaufen?
Den Fischmarkt gibt es an der Elbe seit 1703. Am Anfang haben die Fischer ihren nächtlichen Fang direkt am Kai verkauft. Mit der Zeit kamen Obst, Gemüse, Blumen, Süßigkeiten und Backwaren dazu. Bis heute findet der Markt jeden Sonntagmorgen statt. Die markante Fischauktionshalle aus rotem Backstein, gebaut 1895 bis 1896, ist noch immer der architektonische Anker der Gegend und erinnert an die Handelsvergangenheit des Marktes.
Ich gebe zu, dass ich mich vorher kaum eingelesen hatte. Hätte ich das getan, hätte ich gewusst, dass es beim Fischmarkt heute um deutlich mehr geht als um Fisch.
In der ersten Stunde bin ich herumgelaufen und habe nach den Fischauktionen gesucht, die ich mir in vollem Gange vorgestellt hatte. Die gehören längst nicht mehr zum Programm. Stattdessen gab es Stände mit Bergen an Obst und Gemüse, Sträuße in Papier, Bonbons, Gebäck und eine Stimmung, die eher nach Straßenfest als nach traditionellem Fischmarkt wirkte.
Währenddessen dachte ich die ganze Zeit an das Fischbrötchen, das ich meinem knurrenden Magen als Belohnung versprochen hatte. Fischbrötchen sind ein norddeutscher Klassiker: ein knuspriges Brötchen mit mariniertem oder gebratenem Fisch, meist Hering oder Makrele, dazu Zwiebeln und ein Löffel Remoulade oder eine andere cremige Sauce.
Als ich endlich die große Backsteinhallle sah, stiegen meine Erwartungen wieder. Genau so hatte ich mir das Auktionshaus vorgestellt. Drinnen gab es dann aber keine schnellen Gebote und keine Kisten, die über den Boden wanderten. Stattdessen saßen fröhliche Deutsche an langen Gemeinschaftstischen, tranken Bier, und am Ende der Halle spielte Live Musik auf einer Bühne. Heute ist die Fischauktionshalle eher ein Ort für Musik und frühes Feiern als für Handel.
Draußen gab es noch ein paar Fischhändler, ganz fischfrei ist der Markt also nicht. Aber es ist ziemlich klar, dass sich der Fischmarkt zu einem sozialen Ereignis entwickelt hat, genauso sehr wie zu einem Ort zum Einkaufen. Viele Besucher kommen direkt von einer langen Nacht auf der Reeperbahn, Hamburgs berühmtem Vergnügungs und Rotlichtviertel.
An diesem Sonntag wirkte ein guter Teil der Menge so, als würde er einfach nur einen Abend zu Ende bringen, der nahtlos in den Morgen übergegangen ist. Ich würde mich nicht wundern, wenn fast die Hälfte noch gar nicht im Bett gewesen wäre.
Trotz des eher begrenzten Fischfokus war es ein schöner Ort, um ein paar Stunden zu verbringen. Die Stimmung war entspannt und freundlich, und es hat etwas ziemlich Charmantes, wenn man sich sonntags um 7 Uhr ein Fischbrötchen und ein frisch gezapftes Bier bestellen kann. Allein dafür lohnt sich ein Besuch, wenn du in Hamburg bist.
Gut zu wissen vor dem Besuch
Der Fischmarkt findet jeden Sonntagmorgen statt. Die Öffnungszeiten variieren je nach Saison leicht. Im Winter geht es meist früh los und endet gegen 9.30 Uhr, im Sommer etwa gegen 10 Uhr. Wenn du die lebhafteste Atmosphäre erleben willst, mit Musik in der Halle und der Nacht, die in den Morgen hineinläuft, komm am besten zwischen 6 und 8 Uhr. Für einen ruhigeren Besuch lohnt sich die Zeit kurz vor Schluss.
Zieh dich dem Wetter entsprechend an. Unten an der Elbe ist es oft deutlich kälter und windiger als anderswo in der Stadt, selbst an Tagen, die eigentlich mild wirken.
Erwarte keine klassischen Fischauktionen. Fisch wird noch verkauft, aber heute ist der Markt vor allem ein Sonntagsmarkt und Treffpunkt.
Nimm Bargeld mit. Nicht alle Stände akzeptieren Karten, und in der Schlange fürs Fischbrötchen geht es mit Bargeld einfach schneller.





