Pennsylvania: Scrapple – Ein Frühstück, das die Meinungen spaltet

Scrapple- Pennsylvania food

Steve: Ich bin im Osten von Pennsylvania aufgewachsen, gleich außerhalb von Philadelphia. Das bedeutet auch, dass ich mit Scrapple groß geworden bin. Es stand bei uns zu Hause auf dem Frühstückstisch und auf den Speisekarten der Diners in der Gegend. Wenn man dort Frühstück bestellte, kam fast immer dieselbe Frage: „Willst du Bacon, Würstchen oder Scrapple zu deinen Eiern?“ Für uns war das ganz normales, gutes Alltagsessen.

Erst viele Jahre später habe ich gemerkt, dass nicht jeder weiß, was Scrapple überhaupt ist, geschweige denn es liebt. Für Leute, die es nicht kennen, klingt Scrapple zunächst etwas ungewöhnlich. Im Grunde ist es eine Art Fleischlaib aus Schweineabschnitten, Maismehl und Gewürzen. Man schneidet ihn in Scheiben und brät ihn in der Pfanne, bis außen eine knusprige Kruste entsteht, während das Innere weich und herzhaft bleibt. Scrapple spaltet die Meinungen. Entweder man liebt es oder man findet es ziemlich abschreckend. In unserer Familie gehört es ganz klar zur ersten Kategorie.

Scrapple geht auf die Pennsylvania Dutch zurück, deutschsprachige Einwanderer, die sich vor Jahrhunderten im mittleren Atlantikraum der USA niederließen. Wie in vielen bäuerlichen Kulturen wurde damals nichts verschwendet. Wenn ein Schwein geschlachtet wurde, legte man die besten Stücke beiseite. Ein Teil wurde zu Würsten verarbeitet. Alles, was übrig blieb, also Kopf, Knochen, Abschnitte und Innereien, wurde zu einer kräftigen Brühe gekocht. Knochen und andere ungenießbare Teile wurden entfernt, das Fleisch zerkleinert und wieder in die Brühe gegeben. Dann kam Maismehl dazu, Gewürze, und die Masse wurde in Formen gegossen. Nach dem Abkühlen konnte Scrapple lange aufbewahrt werden. Perfektes Essen für sparsame Familien. Früher wie heute.

Scrapple ist übrigens keine Ausnahme. In North Carolina gibt es Livermush. In Ohio Goetta. In Schottland Haggis. In Frankreich Pâté und Terrinen. In Großbritannien und Irland Black Pudding. Unterschiedliche Zutaten und Zubereitungen, aber dieselbe Idee dahinter: Respekt vor dem Tier, nichts verschwenden und gutes Essen auf den Tisch bringen.

Sanne kommt aus Dänemark, und als ich zum ersten Mal Scrapple für uns zubereitet habe, dachte ich ehrlich gesagt, sie würde skeptisch reagieren. Stattdessen hat sie es regelrecht verschlungen. In Dänemark gibt es Leverpostej, eine kräftige Leberpastete, die sowohl auf dem Frühstückstisch als auch auf Smørrebrød auftaucht, ein Wort, das ich übrigens immer noch nicht richtig aussprechen kann. Für sie ergab Scrapple sofort Sinn. Sie mochte es vom ersten Bissen an und hat sich damit einen festen Platz im Herzen meiner Familie gesichert.

Scrapple habe ich übrigens nie hinter mir gelassen, als ich weggezogen bin. In meinem Gefrierfach in New York liegt immer ein Block davon, manchmal auch zwei. Mein Bruder in Kalifornien hat ebenfalls immer welchen im Kühlschrank. Und wenn wir im Sommer unsere Familie in Michigan besuchen, bringen wir unsere ganz eigene Mystery Meat Kultur gleich mit. Unsere Cousins halten uns wahrscheinlich für verrückt, aber so sind wir nun einmal.

In unserer Familie ist Scrapple nicht nur Essen. Es ist eine fortlaufende Diskussion.

Verdient Truthahn Scrapple überhaupt den Namen? Manche sagen ja. Andere haben recht.

Soll man Scrapple vor dem Braten dick oder dünn schneiden? Ich gehöre ganz klar zum Team dicke Scheiben. Ich will ein richtiges Inneres, weich und saftig unter der knusprigen Kruste. Mein Bruder in Kalifornien hingegen bevorzugt dünne Scheiben. Damit liegt er falsch und wirkt ehrlich gesagt auch ein bisschen verdächtig. Er will maximale Knusprigkeit und keinerlei Weichheit. Ich verstehe diesen Mann nicht.

Einer meiner Söhne isst kein Scrapple. Zum Glück habe ich zwei Söhne. Einer meiner Neffen wurde einmal dabei erwischt, wie er, man glaubt es kaum, Ketchup auf sein Scrapple getan hat. Es gibt Dinge im Leben, die kann man nicht mehr ungesehen machen.

Für eine Familie, die dieses würzige Schweinegericht so liebt, ist Scrapple zu Hause zu braten eine erstaunlich heikle Angelegenheit. Wie dick sind die Scheiben? Ist das die richtige Pfanne? Liegen zu viele Stücke in der Pfanne? Ist die Hitze zu hoch und verbrennt die Kruste? Drehst du es zu früh um, sodass es auseinanderfällt? Das typische Zischen in der Pfanne und der pfeffrige Duft sorgen sofort dafür, dass sich in unserer Küche eine ganze Reihe von selbsternannten Experten versammelt.

Cheesesteaks mögen das berühmteste Essen aus Philadelphia sein, aber für mich ist Scrapple das eigentliche Herz unserer Esskultur. Wir kochen es, essen es und streiten darüber. Ganz egal, wo wir gerade zusammenkommen. Es gehört für mich genauso zum Thanksgiving Wochenende wie der Truthahn und das gemeinsame Jammern über die Eagles.

Also ein Hoch auf Scrapple. Sparsam, oft missverstanden, außen knusprig und innen weich. Das Frühstück der Champions. Du musst es nicht lieben. Aber ich tue es.

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Mitzie Mee - Sanne

Willkommen bei Mitzie Mee, meinem kleinen Ort im Internet, an dem gutes Essen und schöne Reisen immer wieder zueinander finden. Hier teile ich die Restaurants, in die ich mich verliebe, die Rezepte, zu denen ich zurückkehre, und die Orte, die mich sofort wieder reiseklar machen. Ich schreibe wie ich reise, neugierig und mit gutem Appetit, und egal ob ich Austern in Dänemark esse, die beste Ramen in Tokio suche oder entdecke, was es Neues in New York gibt, nehme ich dich mit. Wenn du durchdachtes Reisen, gutes Essen und kleine unerwartete Umwege magst, bist du hier genau richtig.

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