
2003 war ich zum ersten Mal in Japan. Ich war mit Rikke unterwegs, und in weniger als einer Woche schafften wir es, in Tokio ausgiebig feiern zu gehen, ein Erdbeben zu verschlafen und nach Sapporo zu fliegen, um meine Freundin Mari zu treffen, bevor es wieder zurück nach Dänemark ging. Es war meine erste und ziemlich turbulente Begegnung mit Japan, und für mich war es Liebe auf den ersten Blick.
Wir hatten uns vor der Reise überhaupt nicht informiert, also frag mich bitte nicht, wie wir es damals vom Flughafen in die Stadt geschafft haben. Ein Hotel hatten wir natürlich auch nicht gebucht. Nachdem wir an der Tokyo Station angekommen waren, liefen wir einfach die Hotels in der Umgebung ab und versuchten, irgendwo ein Zimmer zu bekommen.
Ein Doppelzimmer wollte man uns allerdings nirgends geben, denn offenbar galt es als höchst unangemessen, dass zwei Mädchen im selben Bett schlafen! Die Hotels rund um die Tokyo Station waren teuer, und unser Budget war ziemlich knapp, also wollten wir wirklich nicht für zwei separate Zimmer bezahlen. Nach gefühlt mehreren Stunden fanden wir schließlich doch noch eine Unterkunft. An den Namen des Hotels kann ich mich nicht mehr erinnern, aber das Zimmer war winzig und hatte ein Etagenbett.
Ich muss außerdem noch ein kleines Geständnis machen. Bitte verratet es nicht dem Zoll in Amsterdam. Wir waren in einem riesigen japanischen Supermarkt einkaufen, als ich ein Regal mit japanischem Whisky in 3 Liter Flaschen entdeckte. Ich konnte einfach nicht widerstehen, so ein lustiges flüssiges Souvenir mit nach Hause zu nehmen.
Das Problem ist nur, dass ich keine besonders gute Schmugglerin bin. Als ich in Amsterdam durch den Zoll ging, stand mir mein schlechtes Gewissen praktisch ins Gesicht geschrieben. Ein Zollbeamter bat mich zur Seite und forderte mich auf, meinen Koffer zu öffnen. Das tat ich, und da lag sie: die große, böse Flasche, die ihn direkt anzustarren schien.
Er nahm sie heraus, betrachtete sie genauer und fragte mich, was um alles in der Welt das sei.
„Irgendeine Art japanischer Wein“, murmelte ich und stellte mich innerlich schon auf eine saftige Geldstrafe, Gefängnis oder was auch immer Amsterdam mit Leuten wie mir anstellen würde ein.
Ihr könnt euch also vorstellen, wie überrascht ich war, als der Zollbeamte nur mit den Schultern zuckte, die Plastikflasche wieder in meinen Koffer legte, ihn schloss und mich einfach durchwinkte.
Bis heute weiß ich nicht, ob er die japanischen Schriftzeichen nicht lesen konnte oder ob es ihm schlicht egal war. Der Whisky war jedenfalls am darauffolgenden Wochenende auf einer Studentenparty in Schweden ein voller Erfolg.














